Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V.

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24.05.2011 Offener Brief der GzSdW zum bayerischen Wolfsmanagement

Offener Brief an Staatsminister Dr. Markus Söder, Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit

Sehr geehrter Herr Staatsminister,

die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e. V. (GzSdW) ist die größte deutsche Nicht-Regierungs-organisation, die sich ausschließlich Schutz und Erhaltung des Wolfes zum Ziel gesetzt hat. Sie arbeitet von Beginn an, das heißt seit nunmehr mehr als 5 Jahren, regelmäßig, aktiv und kooperativ gestaltend in der von Ihrem Haus eingerichteten „Arbeitsgruppe Große Beutegreifer“ (nachfolgend AG) mit.

Die Vielzahl von Sitzungen erfordert von den ehrenamtlichen Mitgliedern der AG ein sehr großes Engagement und hohen persönlichen Einsatz, denn sowohl der zeitliche wie auch der finanzielle Aufwand (Fahrt-kosten, Urlaub von Angestellten oder Vertretung bei Selbständigen) sind erheblich. Inzwischen ist es den Beteiligten gelungen, ein Arbeitsklima zu schaffen, das - trotz teilweise völlig gegensätzlicher Zielsetzung und Meinungen - ein höchst produktives Arbeiten ermöglicht. Nicht zuletzt weil in der AG zudem die für ein umfassendes und effektives Wolfsmanagement relevanten Gruppierungen in ihrer gesamten Bandbreite mit ihrer Fachkompetenz vertreten sind, wäre die Grundlage für ein konstruktives Ergebnis gegeben.

Die GzSdW hat schon nach der Verabschiedung des Managementplanes für den Wolf in Bayern Stufe 1 klar gestellt und gefordert, dass unverzüglich an einer Weiterentwicklung dieses Planes gearbeitet werden müsse, weil dieser erste Einstieg in einen Wolfsmanagementplan keine wirksame Regelung enthält, mit der einer - inzwischen ja tatsächlich erfolgten - Zuwanderung des Wolfes sinnvoll, adäquat und abgestimmt begegnet werden kann. Dies ist aus unverständlichen Gründen leider nicht geschehen, was sich u. a. darin manifestiert, dass Bayern seit nunmehr über 1,5 Jahren mit einem einzigen! Wolf „kämpft“ und keine vernünftige Lösung findet, während in anderen Bundesländern – inzwischen leben in 8 Bundeslän-dern Wölfe! – mehr als 50 Wölfe leben, ohne dass derart gravierende Probleme, Streitigkeiten und mangelnde gemeinsame Regelungsbereitschaft einer Lösung im Wege stehen.

Trotz dieser schon als blamabel zu bezeichnenden Situation betreibt die AG die Ausarbeitung für die 2. Stufe des Wolfsmanagementplanes zielstrebig und mit großem Engagement; aber leider fehlt es weitgehend an der Unterstützung von Seiten der Politik.

Seit dem Desaster, das die „Horrorgeschichte“ des Braunbären „Bruno“ in der politischen Landschaft hinterlassen hat, fehlt es der Politik offensichtlich an Mut, die großen Beutegreifer als Symbol der Biodiversität und Bereicherung des gesamten Ökosystems willkommen zu heißen. Es ist nicht nachvollziehbar, warum vor allem aus Ihrem Haus kein klares Bekenntnis „pro Wolf“, und damit kein eindeutiges, klares und un-missverständliches Ziel – eine essentielle Voraussetzung für jeden funktionierenden Managementplan - vorgegeben wird. Hier liegt auch der Grund, warum die AG ihrer Aufgabe nicht gerecht werden kann.

Diese Verweigerungshaltung kann im Moment möglicherweise einige Wählerstimmen aus der Landwirtschaft „generieren“, eine von der Allgemeinheit getragene Lösung für die Probleme mit zuwandernden Großen Beutegreifern wird aber auf diesem Weg nicht gelingen. Dabei steht auch noch nicht fest, ob der Zorn und die Unzufriedenheit über intransparentes, allzu zögerliches politisches Manövrieren nicht auch Wählerstimmen kostet.

Die politisch Verantwortlichen müssen mit offenen Karten spielen und klar zum Ausdruck bringen, dass die Zuwanderung von Wölfen (und anderen großen Beutegreifern) nicht abzuwenden ist, nicht zuletzt weil sich in den Nachbarländern Bayerns die Populationen ausbreiten und die nationale und internationale Rechtslage eindeutig ist. Die Betroffenen dürfen deshalb nicht mit kurzfristig, auf Druck einer kleinen Minderheit entstandenen Maßnahmen (Alm-Aktionsplan), „abgespeist“ werden, sondern sie müssen die derzeit völlig unzureichende Unterstützung endlich bekommen. Dabei dürfen Abstimmungsprobleme zwischen den Ministerien (Umwelt auf der einen und Landwirtschaft auf der anderen Seite) nicht länger eine spürbar hemmende Rolle spielen. Das gesamte „Management Große Beutegreifer“ ist in den Augen der betroffenen Bevölkerung völlig unglaubwürdig, solange dringend nötige Hilfen und Projekte (z. B. Pilotprojekt Rotwand) wegen Unstimmigkeiten zwischen den Häusern und daraus resultierenden Problemen wie mangelndes Personal und fehlende Finanzmittel auf die lange Bank geschoben werden. Selbstverständlich müssen die besonderen Schwierigkeiten, die für den bayerischen Alpenraum gelten in den Managementplan eingearbeitet werden, zugleich müssen aber sofort und unbürokratisch konkrete praktische Maßnahmen, die auf diese besondere Situation zugeschnitten sind ermöglicht werden.

Erlauben Sie uns abschließend darauf hinzuweisen, dass die große Wertschätzung für die Arbeit der AG, die Sie in Ihrem Antwortschreiben auf den Brief der AG zum Ausdruck bringen, von der AG dankend ange-nommen wird, aber sie kann und darf nicht an die Stelle Ihrer politischen Verantwortung für den Prozess des Managements Große Beutegreifer treten. Wir fordern Sie deshalb auf, die zögerliche Haltung zur Weiterentwicklung des Managementplanes für den Wolf in Bayern Stufe 2 sofort und unmissverständlich aufzugeben und Ihrer Verantwortung für die geschützte Tierart in vollem Umfang gerecht zu werden.

Mit freundlichen Grüßen

der Geschäftsführende Vorstand