15.05.2010 Wolf vermutlich im bayerisch-österreichischem Grenzgebiet unterwegs
Die bayerische Presse ist derzeit voll von Berichten über einen Wolf, der seit Dezember 2009 im bayerischen Alpenraum unterwegs ist und am 12. Mai in Geitau (Gemeinde Bayrischzell) mehrere Schafe getötet haben soll.
Das Bayrische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit hat dazu folgende Information veröffentlicht:
„Fakten“ Im Dezember und Januar 2010 sind im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet mehrere tote Rotwildtiere gefunden worden. Die Verletzungen und Fraßspuren deuteten auf einen Wolf oder großen Hund als Verursacher hin. Die genetische Untersuchung der aus den Bissspuren getupften Speichelreste bestätigte ein Wolfsmännchen italienischer Abstammung, das im Juni 2009 schon in Graubünden (CH) nachgewiesen worden war. Mittlerweile gibt es Hinweise darauf, dass das Tier offensichtlich noch in Bayern unterwegs ist. Die Untersuchungen von einem Mitte Februar im Chiemgau gefundenen Reh und von mehreren im April gefundenen Rotwildtieren deuten auf einen Wolf als Verursacher hin. Als wolfsverdächtig werden auch 4 Risse an Schafen (12.05.10) bei Bayrischzell eingeordnet. Um diese Einschätzung zu verifizieren und um gleichfalls eine individuelle Zuordnung des Tieres zu erreichen, werden die aus den Bisswunden getupften Speichelproben derzeit genetisch untersucht. Die Ergebnisse sind jedoch nicht vor Mitte Juni zu erwarten. Erst dann besteht Gewissheit. “
Quelle: Hintergrundinfo des StMUG Bayern vom 14.05.10
Zusätzlich wird angemerkt, dass gemäß bayerischem Wolfsmanagementplan Entschädigung gezahlt werden kann.
Das Oberbayerische Volksblatt aus Rosenheim schreibt allerdings dazu exemplarisch:
„Bald treiben die Almbauern ihre Kühe, Schafe und Geißen wieder hinaus auf die Wiesen. Sie befürchten, dass dann zahlreiche weitere Attacken auf Nutztiere folgen. Sie wirksam zu schützen, ist vor allem bei großflächigen Betrieben wie der Arzmoos-Alm (rund 100 Hektar) nahezu unmöglich. Deshalb wächst die Unsicherheit unter Bauern und Viehhaltern, während sich das Umweltministerium - ein Wolf fällt nicht in die Kategorie Jagdrecht, sondern unterliegt der Naturschutzbehörde - in Schweigen hüllt. Auch Manfred Wölfl, Wildtier-Manager der Staatsregierung, sagt zu den tödlichen Attacken von Bayrischzell nichts. “
Kommentar der Gzsdw:
Zwei Jahre nach der Verabschiedung des bayerischen Managementplanes für Wölfe-Stufe 1 wird eine erste Bewährungsprobe gefordert und sie fällt katastrophal aus. Ein Wolf, der schon im Dezember durch Risse „sichtbar“ geworden ist wird zwar genetisch nachgewiesen, die nötigen Konsequenzen werden aber versäumt. Obwohl in den Folgemonaten immer wieder Hinweise festgestellt wurden, dass das Tier mit hoher Wahrscheinlichkeit noch in der Region ist, wurde versäumt, die Bevölkerung rechtzeitig, das heißt bevor die ersten Schäden an Nutztieren, die bei der im oberbayerischen Alpenraum üblichen Haltung fast sicher zu erwarten waren, auftreten, rückhaltlos zu informieren. Dazu genügt es nicht, eine – zugegebenermaßen sehr gut konzipierte - Broschüre über mögliche Schutzmaßnahmen und eine Ausstellung zu den Großen Beutegreifern zu erstellen. Man hätte den Tierhaltern ehrlich sagen müssen, dass zu erwarten ist, dass sich in naher Zukunft tatsächlich ein Wolf in Bayern ansiedelt und dass auch die Nutztierhalter, weil die Tierart streng geschützt ist, damit leben und sich – ob sie wollen oder nicht – darauf einstellen müssen. Dass sie dabei jede mögliche Unterstützung bekommen müssen und werden steht auf einem anderen Blatt, muss aber natürlich genauso vermittelt werden. Wenn aber erst am 14.5. eine Informationsveranstaltung abgehalten wird, bei der offensichtlich immer noch nicht „reiner Wein“ eingeschenkt wird, kann man gut verstehen, wenn die Tierhalter, die praktisch auf dem Nachhauseweg von der Veranstaltung von den Schafrissen erfahren haben, verärgert von einer reinen Alibi-Veranstaltung sprechen. Das kann auch nicht verwundern,, wenn die Information erst „an den Mann“ gebracht wird, wenn der Weideauftrieb unmittelbar bevorsteht (üblicherweise Mitte- Ende Mai), und keine Möglichkeit mehr gegeben ist, effektive Schutzmaßnahmen, die für die Almbauern ohnehin sehr schwierig zu realisieren sind, zu treffen.
Wie gering offensichtlich auch die allgemeine Aufklärung der Bevölkerung „gelungen“ ist zeigen sehr deutlich die Befürchtungen des Bürgermeisters der betroffenen Gemeinde, der bereits von der Gefahr für Kinder und den Risiken für den Tourismus spricht, nur weil ein einzelner Wolf Schafe reißt. So kann auch Vorsorge betrieben werden!
Der Wolfsmanagementplan Stufe 1 ist ein „Meisterstück, für nicht vorhandene Wölfe“ – eine Feststellung, die die GzSdW schon vor zwei Jahren ganz klar vorgebracht hat. Die rechtzeitige Weiterentwicklung wurde aber leider versäumt. Man kann nur hoffen, dass nicht wieder das Tier „die Suppe auslöffeln“ muss und dann als „Problemwolf“ endet, das letzte Mal war es ein „Problembär“…...